Lässt sich die Gesundheit einer stresssbelasteten Berufsgruppe präventiv sichern? Eine kontrollierte, multizentrische Studie zur Lehrergesundheit

Aktivität: Vorträge und GastvorlesungenKonferenzvorträgeForschung

Stefan Koch - Sprecher*in

Dirk Lehr - Sprecher*in

Kristina Lüdtke - Sprecher*in

Manfred Köhne - Sprecher*in

Sabine Weiß - Sprecher*in

Ewald Kiel - Sprecher*in

Andreas Hiller - Sprecher*in

Der Lehrerberuf umfasst überwiegend Anforderungen im sozial-interaktiven Bereich. Damit kann ein erhöhtes Ausmaß an kognitiver und emotionaler Stressbelastung verbunden sein, welche bei entsprechend disponierten Personen zur Entwicklung psychischer Erkrankungen führen kann. Der Vergleich mit Erkrankungsraten der Allgemeinbevölkerung legt nahe, dass Lehrkräfte zu einem überdurchschnittlichen Anteil von psychischen Erkrankungen betroffen sind (Scheuch et al., 2015). Während im Unterschied zu früheren Jahrgängen verbeamtete Lehrer zunehmend die Regelaltersgrenze erreichen, bilden psychische Erkrankungen weiterhin Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit und Frühpensionierungen.
Zielsetzung des Kooperationsprojekts Lehrergesundheit: Prävention an Schulen (LeguPan) bildete die Adaptation und vergleichende Evaluation des für stationär psychotherapeutisch behandelte Lehrkräften bewährten Programms Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf (AGiL, Hillert et al., 2016) für den Bereich der Prävention bei Lehrkräften im Schuldienst.
Als berufsbezogenes Gruppenprogramm umfasst AGiL vier Module:
(1) Basismodul („Achtsamkeit“, z.B. Erklärungsmodell und Signale von Überlastung),
(2) kognitives Modul („Denkbarkeit“, z.B. Umgang mit stressverschärfenden Gedanken und Grübeln),
(3) behaviorales Modul („Möglichkeiten“, z.B. Klärungshilfe, Umgang mit sozialen Konflikten im Schulalltag), und
(4) Regenerationsmodul („Erholung“, z.B. Prinzipien gesundheitsförderlicher Erholung, Zeitgestaltung, Pausengestaltung), sowie optionale Zusatzmodule (z.B. zum Modell der beruflichen Gratifikationskrise).
Insgesamt wurden n=128 im Schulalltag stehende Lehrerkräfte in Bayern und NRW sowie 75 Multiplikatoren und 69 Schulleiter mit AGiL behandelt bzw. in der Anleitung von AGiL geschult. Bisherige Auswertungen ergeben eine hohe Akzeptanz der Trainingsinhalte (82% Zufriedenheit, 91% Weiterempfehlung) und einen auf die Gesamtgruppe bezogen (universelle Prävention) moderaten Trainingseffekt (Hauptzielkriterium: Depressivität). In der Teilgruppe hochbelasteter Lehrer (indizierte Prävention, n=34) ergibt sich jedoch ein substanzieller Trainingseffekt (d=0.59 in Depressivität/ADS,
53% im klinisch unauffälligen Bereich), welcher bis 12 Monate Follow-up erhalten blieb
(59% im unauffälligen Bereich).
AGiL als verhaltenstherapeutisch fundiertes Programm ist für den Bereich der (primären/sekundären) Prävention gut adaptierbar. Vor- und Nachteile einer indizierten vs. einer universellen Indikation sind abzuwägen.
22.03.201724.03.2017

Veranstaltung

Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2017: Psyche - Soma. Mensch - System.

22.03.1724.03.17

Berlin, Deutschland

Veranstaltung: Konferenz