Praktiken des Transitorischen: Restitution und Museumspraxis anhand des (im)materiellen Kulturerbe der Nachfahren der Tairona der Sierra Nevada de Santa Marta, Kolumbien

Projekt: Dissertationsprojekt

Projektbeteiligte

Beschreibung

Im Mittelpunkt des Dissertationsprojektes steht die Wi(e)derherstellung des (im)materiellen Kulturerbes der Nachfahren der Tairona – Kággaba/Kogi, Ika/Arhuaco, Wiwa/Malayo, Kankuamo/Atanque – der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien.

Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab, eine Kritik an der modernen/kolonialen Denkweise und ihren Praktiken zu formulieren und hierbei das Verständnis von Identität, Kultur, Eigentum und Erbe durch den Einbezug und die Legitimation alternativer epistemologischer Systeme – wie das der Nachfahren der Tairona – zu befragen. Auf Grundlage des Austausches mit den Kággaba, ausgewählten Museen und anderen Expert_innen in- und außerhalb Kolumbiens werden unterschiedliche Wissenskontexte und Methoden multiperspektivisch verknüpft.

Der Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass im Kontext von Museen und Ausstellungen konservatorische Praktiken wirksam sind, die auf die Epistemologie der Moderne zurückzuführen sind. Im Gegensatz dazu stehen die Denk- und Handlungsweisen der Nachfahren der Tairona, wobei davon ausgegangen wird, dass sich ihr Verständnis grundlegend von dem modernen musealen ‚Objektbegriff‘ unterscheidet. Auf dieser Grundlage wird im Rahmen des Vorhabens ein ‚lebendiges Objektverständnis‘ erörtert, von dem die Praktiken des Transitorischen als Gegenentwurf zu den Praktiken des Konservatorischen abgeleitet werden.

Basis des Vorhabens ist die Erstellung eines Inventars des (im)materiellen Kulturerbes und damit eine Bestandsaufnahme von dessen Verbleib in musealen Sammlungen weltweit. Auf dieser Grundlage werden die Provenienzen und Bedeutungen der ‚Objekte‘ sowie die Formen und Folgen ihrer Translokation erörtert. Damit sollen die Voraussetzungen für eine zukünftige Rückbindung und mögliche Rückgabe des Kulturerbes an die Nachfahren der Tairona untersucht und auf dieser Grundlage ein Leitfaden erstellt werden, welcher entsprechende Prozesse unterstützen kann.

Die Arbeit ist als epistemische Untersuchung von Prozessen der Rückbindung auf institutioneller, internationaler, interkultureller, rechtlicher und ethischer Ebene angelegt und reflektiert diese in all ihren Verstrickungen und Unvereinbarkeiten. Damit werden nicht nur neue Bedingungen für ethische Beziehungen hergestellt, sondern sollen auch transkulturelle und -disziplinäre Perspektiven abgeleitet und ein Beitrag zu einer kritisch intervenierenden Wissenschafts- und Museumspraxis im globalen und dekolonialen Kontext geleistet werden.
KurztitelPraktiken des Transitorischen
StatusLaufend
Zeitraum01.10.22 → …