Aussichten auf eine nachhaltige Entwicklung: Die Zukunft der Pflanzen und Schmetterlinge Transsylvaniens

Projekt: Dissertationsprojekt

Projektbeteiligte

Beschreibung

Menschliche Aktivitäten haben natürliche Ökosysteme weltweit umgewandelt, hauptsächlich für ackerbauliche Zwecke. Diese Änderung der Landnutzung wurde als einer der bedeutendsten Faktoren des Massensterbens von Biodiversität erkannt. Dennoch gibt es Arten, die insbesondere in traditionellen, extensiven Agrarlandschaften überleben. Jedoch ist diese Biodiversität in den Agrarlandschaften zunehmend durch die Folgen der Landnutzungsintensivierung und der Nutzungsaufgabe bedroht. Eine Folge dieser beiden Prozesse ist die Änderung bestehender Landschaftsstrukturen. Diese Dissertation beabsichtigte eine Quantifizierung der Beziehung zwischen Biodiversität und Landschaftsstrukturen, weil ein besseres Verständnis gegenwärtiger Biodiversitätsmuster und ihrer Antreiber benötigt wird, um den Schutz der Biodiversität zu einer nachhaltigen Entwicklung zu lenken. Im Speziellen antizipiert diese Dissertation die Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf die Biodiversität im südlichen Transsylvanien, indem sie sich auf die Studiengruppen Pflanzen und Schmetterlinge fokussiert.
Zunächst wird ein methodologisches Fundament für nachfolgende Biodiversitätsstudien entwickelt, indem nach einer optimalen Probestrategie gesucht wird, welche die verfügbaren Ressourcen in einem Studiendesign mit genügender statistischen Aussagekraft bemisst und eine Bandbreite von Umweltvariablen abdeckt. Diese Studie zeigt, dass der Probenaufwand in dem stark heterogenen Agrarlandschaftsmosaik des südlichen Transsylvaniens mäßig verringert werden kann und dennoch ähnliche Muster in der Artenvielfalt, dem Artenwechsel und der Artenzusammensetzung erkannt werden (Kapitel 2). Anschließend wurden Biodiversitätsmuster von Pflanzen und Schmetterlingen hinsichtlich ihrer Beziehung zu unterschiedlichen Landschaftsstrukturen empirisch untersucht, insbesondere zu Heterogenität und Bedeckung mit Gehölzvegegation. Diese Studien belegen, dass alle vorhandenen Landnutzungskategorien im südlichen Transsylvanien, nämlich Ackerland, Grasländer und Wälder, zu einem Landschafts-Artenpool beitragen. Die Artenanzahl von Pflanzen, aber nicht die von Schmetterlingen, unterschied sich signifikant zwischen Ackerland und Grasland. Das Vorkommen von Gehölzvegetation in Agrarlandschaften beeinflusste die Artenzahl von Pflanzen positiv. Heterogenität erwies sich als vorteilhaft für die Artenzahl der Schmetterlinge im Ackerland, nicht jedoch in Grasländern. Die Artenzusammensetzung der Pflanzen wurde durch die Landnutzung bestimmt, aber die Artzusammensetzung der Schmetterlinge in Ackerländern und Grasländern ähnelte sich (Kapitel 3 & 4). Untersuchungen über die potentielle Ausbreitung invasiver Pflanzen in der transsylvanischen Landschaft zeigten, dass der Abstand zu Straßen und Heterogenität, insbesondere in Ackerländern, eine bedeutende Rolle für die Anfälligkeit der Invasion der Landschaft darstellten (Kapitel 5). Durch Beobachtungen von Schmetterlingsbewegungen in Ackerlandschaften konnte die Landnutzungsintensität als Einflussfaktor für Bewegungen ausgemacht werden. Des Weiteren wurde erkannt, dass Schmetterlinge unkultivierte Elemente in der Agrarlandschaft bevorzugten.
Zuletzt bettet diese Dissertation sozio-ökonomische Überlegungen konzeptionell in den lokalen und internationalen Diskurs über ländliche Entwicklung ein. Überlegungen zu einem partizipativen Projekt zum Aufbau eines Tagfaltermonitorings in Rumänien kommen zu dem Schluss dass die Beteiligung von Bürgern in den Naturschutz in Rumänien möglich ist, dass jedoch maßgeschneiderte Ansätze nötig sind, welche die einzigartigen sozialen und kulturellen Besonderheiten berücksichtigen (Kapitel 7). Aktuelle Empfehlungen der wissenschaftlichen Literatur, landwirtschaftliche Erträge, zum Beispiel in Osteuropa, durch ´nachhaltige Intensivierung´ für die globale Nahrungsmittelsicherung zu erhöhen, werden hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit kritisch überprüft. Diese Dissertation schlussfolgert, dass echte nachhaltige Lösungen für die globale Nahrungsmittelsicherung die unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit, inklusive der Teilhabe- und der Verteilungsgerechtigkeit, berücksichtigen muss. Des Weiteren wird darüber aufgeklärt, dass allgemeine Empfehlungen für eine ackerbauliche Intensivierung, beispielsweise in Rumänien, zu zerstörenden Auswirkungen auf die Biodiversität und Ökosystemfunktionen führen kann (Kapitel 8).
Diese Dissertation liefert Belege dafür, dass die für die Biodiversität vorteilhaften Eigenschaften der transylvanischen Landschaft mit der kleinräumlichen Struktur des Agrarlandschaftsmosaik, der Menge und Verteilung der naturnahen Elemente und dem zerstreuten Vorkommen der Gehölzvegetation in der Landschaft verknüpft sind. Demnach hängt die Zukunft der Biodiversität vom menschlichen Wirken in der alten Kulturlanschaft ab. Die Umsetzung des Naturschutzes im Südlichen Transsylvanien braucht demzufolge ernstgemeinte nachhaltige Lösungen, welche sozial akzeptable und ökologisch bedeutungsvolles Landschaftsmanagement integriert.
StatusAbgeschlossen
Zeitraum01.07.1115.06.15

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