Zur Vereinbarkeit rationalistischer und kulturalistischer Ansätze in der Politikwissenschaft: Das Beispiel der Parteienfinanzierung in Schweden

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Zur Vereinbarkeit rationalistischer und kulturalistischer Ansätze in der Politikwissenschaft : Das Beispiel der Parteienfinanzierung in Schweden. / Koß, Michael.

In: Zeitschrift für Politikwissenschaft, Vol. 17, No. 1, 01.01.2007, p. 43-60.

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abstract = "Rationalistische und kulturalistische Ans{\"a}tze stehen sich in der Politikwissenschaft dem Anschein nach unvereinbar gegen{\"u}ber. Rationalistische Ans{\"a}tze betonen die Bedeutung materieller Faktoren f{\"u}r politische Prozesse und zielen vor allem auf Akteure und ihre endogenen Interessen sowie die Bedeutung von Institutionen ab. Kulturalistische Ans{\"a}tze betonen hingegen die Rolle kulturell tradierter Codes, die der Entstehung der Interessen der Akteure gleichsam vorangehen und ihre kollektiven Identit{\"a}ten pr{\"a}gen. F{\"u}r Rationalistenist die Welt demnach ma{\ss}geblich durch den Willen der Akteure gepr{\"a}gt, w{\"a}hrend sie f{\"u}r Kulturalisten eher einer Vorstellung gleicht, in der die Akteure exogen bestimmte Rollen spielen. Wendet man beide Ans{\"a}tze auf ein konkretes Problem, hier die Entwicklungder Parteienfinanzierung in Schweden nach 1945, an, so zeigt sich, dass erst rationalistische und kulturalistische Ans{\"a}tze zusammen eine befriedigende Erkl{\"a}rung f{\"u}r bestimmte politische Ph{\"a}nomene liefern k{\"o}nnen. Institutionen werden hier als Entscheidungspunkte operationalisiert, die Interessen der Akteure als Ziele der Parteien. Die ma{\ss}geblichen Diskurse sind diejenigen {\"u}ber institutionelle Spenden an Parteien sowie politische Korruption. Nur gemeinsam verm{\"o}gen die Verfassungsreform von 1970, der daraus resultierende Wandel der Ziele der schwedischen Parteien und schlie{\ss}lich die Spezifika der genannten Diskurse die {\"u}berwiegend staatliche Finanzierung der schwedischen Parteienund den stark konsensorientierten Modus der Entscheidungsfindung zu erkl{\"a}ren. Rationalistische und kulturalistische Perspektiven lassen sich gewinnbringend kombinieren. Auch die politische Welt sollte als Wille und Vorstellung verstanden werden.",
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journal = "Zeitschrift f{\"u}r Politikwissenschaft",
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RIS

TY - JOUR

T1 - Zur Vereinbarkeit rationalistischer und kulturalistischer Ansätze in der Politikwissenschaft

T2 - Das Beispiel der Parteienfinanzierung in Schweden

AU - Koß, Michael

PY - 2007/1/1

Y1 - 2007/1/1

N2 - Rationalistische und kulturalistische Ansätze stehen sich in der Politikwissenschaft dem Anschein nach unvereinbar gegenüber. Rationalistische Ansätze betonen die Bedeutung materieller Faktoren für politische Prozesse und zielen vor allem auf Akteure und ihre endogenen Interessen sowie die Bedeutung von Institutionen ab. Kulturalistische Ansätze betonen hingegen die Rolle kulturell tradierter Codes, die der Entstehung der Interessen der Akteure gleichsam vorangehen und ihre kollektiven Identitäten prägen. Für Rationalistenist die Welt demnach maßgeblich durch den Willen der Akteure geprägt, während sie für Kulturalisten eher einer Vorstellung gleicht, in der die Akteure exogen bestimmte Rollen spielen. Wendet man beide Ansätze auf ein konkretes Problem, hier die Entwicklungder Parteienfinanzierung in Schweden nach 1945, an, so zeigt sich, dass erst rationalistische und kulturalistische Ansätze zusammen eine befriedigende Erklärung für bestimmte politische Phänomene liefern können. Institutionen werden hier als Entscheidungspunkte operationalisiert, die Interessen der Akteure als Ziele der Parteien. Die maßgeblichen Diskurse sind diejenigen über institutionelle Spenden an Parteien sowie politische Korruption. Nur gemeinsam vermögen die Verfassungsreform von 1970, der daraus resultierende Wandel der Ziele der schwedischen Parteien und schließlich die Spezifika der genannten Diskurse die überwiegend staatliche Finanzierung der schwedischen Parteienund den stark konsensorientierten Modus der Entscheidungsfindung zu erklären. Rationalistische und kulturalistische Perspektiven lassen sich gewinnbringend kombinieren. Auch die politische Welt sollte als Wille und Vorstellung verstanden werden.

AB - Rationalistische und kulturalistische Ansätze stehen sich in der Politikwissenschaft dem Anschein nach unvereinbar gegenüber. Rationalistische Ansätze betonen die Bedeutung materieller Faktoren für politische Prozesse und zielen vor allem auf Akteure und ihre endogenen Interessen sowie die Bedeutung von Institutionen ab. Kulturalistische Ansätze betonen hingegen die Rolle kulturell tradierter Codes, die der Entstehung der Interessen der Akteure gleichsam vorangehen und ihre kollektiven Identitäten prägen. Für Rationalistenist die Welt demnach maßgeblich durch den Willen der Akteure geprägt, während sie für Kulturalisten eher einer Vorstellung gleicht, in der die Akteure exogen bestimmte Rollen spielen. Wendet man beide Ansätze auf ein konkretes Problem, hier die Entwicklungder Parteienfinanzierung in Schweden nach 1945, an, so zeigt sich, dass erst rationalistische und kulturalistische Ansätze zusammen eine befriedigende Erklärung für bestimmte politische Phänomene liefern können. Institutionen werden hier als Entscheidungspunkte operationalisiert, die Interessen der Akteure als Ziele der Parteien. Die maßgeblichen Diskurse sind diejenigen über institutionelle Spenden an Parteien sowie politische Korruption. Nur gemeinsam vermögen die Verfassungsreform von 1970, der daraus resultierende Wandel der Ziele der schwedischen Parteien und schließlich die Spezifika der genannten Diskurse die überwiegend staatliche Finanzierung der schwedischen Parteienund den stark konsensorientierten Modus der Entscheidungsfindung zu erklären. Rationalistische und kulturalistische Perspektiven lassen sich gewinnbringend kombinieren. Auch die politische Welt sollte als Wille und Vorstellung verstanden werden.

KW - Politikwissenschaft

U2 - 10.5771/1430-6387-2007-1-43

DO - 10.5771/1430-6387-2007-1-43

M3 - Zeitschriftenaufsätze

VL - 17

SP - 43

EP - 60

JO - Zeitschrift für Politikwissenschaft

JF - Zeitschrift für Politikwissenschaft

SN - 1430-6387

IS - 1

ER -

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