FAZ-NET Tatortsicherung: Wie gefährlich ist Fracking?

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Dr. Basil Bornemann und Univ.-Prof. Dr. Thomas Saretzki (Politikwissenschaftler und Beobachter des deutschen Fracking-Konflikts): Die Darstellung halten wir für eine Überzeichnung. In Deutschland gab es vor allem zwischen 2011 und 2016 aber tatsächlich zum Teil heftigen lokalen Widerstand gegen geplante oder nur vermutete Fracking-Vorhaben - zunächst nur gegen das sogenannte unkonventionelle Fracking, bei dem Gasvorkommen in relativ bodennahen Schiefer-, Ton- und Kohleflözgesteinen gefördert werden; später zunehmend auch gegen das seit vielen Jahren an vielen Orten praktizierte Gasbohren und das dabei zum Einsatz kommende, sogenannte konventionelle Fracking. Die Politik hat auch wegen des bürgerlichen Widerstands ein De-facto-Moratorium für unkonventionelles Fracking beschlossen und es bundesweit auf vier Probebohrungen beschränkt. Seitdem ist der Konflikt weitgehend befriedet. Wie bei „Böser Boden“ sind die lokalen Konflikte um Fracking oder Gasbohren häufig emotional sehr aufgeladen und Bürgerinitiativen werfen den Unternehmen immer wieder vor, nicht umfassend und ausreichend transparent zu informieren. Es gab immer wieder Spekulationen, dass Unternehmen konkrete Vorhaben oder gar Zwischenfälle bei der Gasförderung gezielt vertuschen würden. Die Unternehmen wiederum reagierten auf diese Vorwürfe mit groß angelegten Informationskampagnen, die zur Aufklärung über Risiken dienen sollten. Die Bürgerinnen und Bürger interessieren häufig aber nicht nur Gesundheits- und Umweltrisiken, sondern auch, ob und in welcher Form die Gasförderung hierzulande einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Zudem spielen in der Auseinandersetzung auch Vorwürfe der Verbandelung zwischen Unternehmen und staatlichen Aufsichtsbehörden eine Rolle. Der Konflikt könnte sich schon bald wieder zuspitzen, denn das Fracking-Gesetz sieht auch vor, dass die Politik 2021 auf der Grundlage der dann vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse erneut über die Zulassung des unkonventionellen Frackings befinden soll.

Quellenangaben

TitelFAZ-NET Tatortsicherung: Wie gefährlich ist Fracking?
BekanntheitsgradNational
Medienbezeichnung/OutletFAZ.net
MedienformatWeb
LandDeutschland
Datum der Veröffentlichung26.11.17
Produzent/AutorCindy Riechau
URLwww.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort/der-tatort-boeser-boden-im-realitaetstest-15308720/julia-grosz-franziska-weisz-15308766.html
PersonenThomas Saretzki

Beschreibung

Dr. Basil Bornemann und Univ.-Prof. Dr. Thomas Saretzki (Politikwissenschaftler und Beobachter des deutschen Fracking-Konflikts): Die Darstellung halten wir für eine Überzeichnung. In Deutschland gab es vor allem zwischen 2011 und 2016 aber tatsächlich zum Teil heftigen lokalen Widerstand gegen geplante oder nur vermutete Fracking-Vorhaben - zunächst nur gegen das sogenannte unkonventionelle Fracking, bei dem Gasvorkommen in relativ bodennahen Schiefer-, Ton- und Kohleflözgesteinen gefördert werden; später zunehmend auch gegen das seit vielen Jahren an vielen Orten praktizierte Gasbohren und das dabei zum Einsatz kommende, sogenannte konventionelle Fracking. Die Politik hat auch wegen des bürgerlichen Widerstands ein De-facto-Moratorium für unkonventionelles Fracking beschlossen und es bundesweit auf vier Probebohrungen beschränkt. Seitdem ist der Konflikt weitgehend befriedet. Wie bei „Böser Boden“ sind die lokalen Konflikte um Fracking oder Gasbohren häufig emotional sehr aufgeladen und Bürgerinitiativen werfen den Unternehmen immer wieder vor, nicht umfassend und ausreichend transparent zu informieren. Es gab immer wieder Spekulationen, dass Unternehmen konkrete Vorhaben oder gar Zwischenfälle bei der Gasförderung gezielt vertuschen würden. Die Unternehmen wiederum reagierten auf diese Vorwürfe mit groß angelegten Informationskampagnen, die zur Aufklärung über Risiken dienen sollten. Die Bürgerinnen und Bürger interessieren häufig aber nicht nur Gesundheits- und Umweltrisiken, sondern auch, ob und in welcher Form die Gasförderung hierzulande einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Zudem spielen in der Auseinandersetzung auch Vorwürfe der Verbandelung zwischen Unternehmen und staatlichen Aufsichtsbehörden eine Rolle. Der Konflikt könnte sich schon bald wieder zuspitzen, denn das Fracking-Gesetz sieht auch vor, dass die Politik 2021 auf der Grundlage der dann vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse erneut über die Zulassung des unkonventionellen Frackings befinden soll.

Thema

Frage 4: Ein kaltblütiges Fracking-Unternehmen, dass für seinen Profit die Erkrankung einer ganzen Dorfgemeinde in Kauf nimmt und militante Naturschützer, die Andersdenkende mit Gewalt einschüchtern – so stellt sich der Konflikt um die Erdgasgewinnung in „Böser Boden“ dar. Wie sieht die Lage im Fracking-Streit in Deutschland wirklich aus?

Zeitraum26.11.2017
Beziehungsdiagramm