Koalitionsbildungen im Rahmen der Corporate Governance als Anlass für weitere Reformen des unternehmerischen Überwachungssystems
Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung › begutachtet
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in: Zeitschrift für Planung & Unternehmenssteuerung, Jahrgang 20, Nr. 4, 03.2010, S. 393-417.
Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung › begutachtet
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TY - JOUR
T1 - Koalitionsbildungen im Rahmen der Corporate Governance als Anlass für weitere Reformen des unternehmerischen Überwachungssystems
AU - Velte, Patrick
AU - Weber, Stefan
PY - 2010/3
Y1 - 2010/3
N2 - Erklärungsansätze für Koalitionsbildungen im Rahmen der Corporate Governance bieten die traditionellen agencytheoretischen Modelle und Quasi-Renten-Ansätze einerseits und die Organisations- und Stewardship-Theorie andererseits. Während sich die beiden erstgenannten Ansätze ausschließlich auf die Möglichkeit einer Koalitionsbildung zwischen Vorstand und Abschlussprüfer – ggf. erweitert um den Aufsichtsrat – zulasten der Hauptversammlung beziehen, lassen sich die Organisations- und Stewardship-Theorie zur Erklärung einer Kooperation zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer zugunsten der Hauptversammlung heranziehen. Unter Zugrundelegung dieser Theorieansätze erfolgt im vorliegenden Beitrag eine Wertung der im Zuge des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) implementierten Maßnahmen zur Regulierung des Verhältnisses zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Abschlussprüfer. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der nationale Gesetzgeber punktuell Maßnahmen zur Senkung des Koalitionsrisikos zwischen Vorstand und Abschlussprüfer und zu einer gleichzeitigen Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer ergriffen hat. Zu nennen sind neben der Konkretisierung des Anforderungsprofils an Aufsichtsräte und Prüfungsausschüsse insbesondere die Betonung der Überwachung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers durch den Aufsichtsrat sowie der erweiterten mündlichen und schriftlichen Berichterstattung des Abschlussprüfers über seine Unabhängigkeit. Es ist jedoch gleichzeitig festzustellen, dass insbesondere aus Sicht der Agency-Theorie weiterer normativer Handlungsbedarf nach dem BilMoG besteht. So hat der Vorstand de facto weiterhin die Möglichkeit, Einfluss auf die Prüfungsqualität zu nehmen. Dies kann etwa durch eine Beeinflussung des Aufsichtsrats bei der Abgabe des Vorschlags zur Wahl des Abschlussprüfers und der Erteilung des Prüfungsauftrags, die Vergabe von Nichtprüfungsaufträgen, die vorherige Stellungnahme zum Prüfungsbericht des Abschlussprüfers sowie durch die Nichtaushändigung des Management Letters an den Aufsichtsrat bewirkt werden.
AB - Erklärungsansätze für Koalitionsbildungen im Rahmen der Corporate Governance bieten die traditionellen agencytheoretischen Modelle und Quasi-Renten-Ansätze einerseits und die Organisations- und Stewardship-Theorie andererseits. Während sich die beiden erstgenannten Ansätze ausschließlich auf die Möglichkeit einer Koalitionsbildung zwischen Vorstand und Abschlussprüfer – ggf. erweitert um den Aufsichtsrat – zulasten der Hauptversammlung beziehen, lassen sich die Organisations- und Stewardship-Theorie zur Erklärung einer Kooperation zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer zugunsten der Hauptversammlung heranziehen. Unter Zugrundelegung dieser Theorieansätze erfolgt im vorliegenden Beitrag eine Wertung der im Zuge des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) implementierten Maßnahmen zur Regulierung des Verhältnisses zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Abschlussprüfer. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der nationale Gesetzgeber punktuell Maßnahmen zur Senkung des Koalitionsrisikos zwischen Vorstand und Abschlussprüfer und zu einer gleichzeitigen Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer ergriffen hat. Zu nennen sind neben der Konkretisierung des Anforderungsprofils an Aufsichtsräte und Prüfungsausschüsse insbesondere die Betonung der Überwachung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers durch den Aufsichtsrat sowie der erweiterten mündlichen und schriftlichen Berichterstattung des Abschlussprüfers über seine Unabhängigkeit. Es ist jedoch gleichzeitig festzustellen, dass insbesondere aus Sicht der Agency-Theorie weiterer normativer Handlungsbedarf nach dem BilMoG besteht. So hat der Vorstand de facto weiterhin die Möglichkeit, Einfluss auf die Prüfungsqualität zu nehmen. Dies kann etwa durch eine Beeinflussung des Aufsichtsrats bei der Abgabe des Vorschlags zur Wahl des Abschlussprüfers und der Erteilung des Prüfungsauftrags, die Vergabe von Nichtprüfungsaufträgen, die vorherige Stellungnahme zum Prüfungsbericht des Abschlussprüfers sowie durch die Nichtaushändigung des Management Letters an den Aufsichtsrat bewirkt werden.
KW - Betriebswirtschaftslehre
UR - http://www.scopus.com/inward/record.url?scp=77953951970&partnerID=8YFLogxK
U2 - 10.1007/s00187-010-0097-0
DO - 10.1007/s00187-010-0097-0
M3 - Zeitschriftenaufsätze
VL - 20
SP - 393
EP - 417
JO - Zeitschrift für Planung & Unternehmenssteuerung
JF - Zeitschrift für Planung & Unternehmenssteuerung
SN - 1613-8392
IS - 4
ER -