Vergleichende Untersuchung der Möglichkeiten und Bedingungen kultureller Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen in künstlerischen und schulischen Settings, Teilprojekt in Lüneburg: Sprachliche und musikalische Kommunikation in Settings kultureller Bildung

Projekt: Forschung

Projektbeteiligte

In interdisziplinärer Zusammenarbeit von Kulturwissenschaftlicher Bildungsforschung und Heil-pädagogik unter¬sucht das Vorhaben die Möglichkeiten und Bedingungen kultureller Teilhabe und Inklusion von Men¬schen mit Beeinträchtigungen im Bereich Musik und Sprachkünste. Erkenntnisleitend ist die Frage, ob und wie in Bildungsprozessen sprachlich-musikalischer Kommunikation zugleich mit dem künstlerischen Kompetenzaufbau auch ein Beitrag zum Abbau von Berührungsängsten und stereotypisierenden Wahrnehmungsmustern zwischen Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen entstehen kann. Das Projekt verhält sich dabei zunächst skeptisch gegenüber vorschnell auf¬gespannten Transferhoffnungen. Vermutungen, mit Hilfe kultureller Bildung könnten inklusive Bildungsprozesse effektiv und ohne Diskriminierungserfahrungen realisiert werden sind zwar plausibel, aber keineswegs differenziert erforscht und empirisch belegt. So ist (1.) sehr wenig darüber bekannt, wie das gemeinsame künstlerische Arbeiten auf gegenseitiges Wahrnehmen, Verstehen und Akzeptieren wirkt und wie genau Wahrnehmungs¬gewohnheiten mit künstlerischen Mitteln thematisch werden und verändert werden können. Noch basaler gilt es (2.) die Frage zu bearbeiten, aufgrund welcher Wahrnehmungs¬gewohnheiten sich in inklusiven pädagogischen Settings Resonanzen von Vertrautheit und Fremdheit oder Sympathie und Aversion einstellen, wie sie sich leiblich artikulieren und die Teilhabemöglichkeiten der Beteiligten beeinflussen.
Für die Bearbeitung dieser Fragen wird ein vergleichendes Forschungsdesign in zwei Teilprojekten gewählt: Zum einen untersuchen wir die leiblich fundierte aisthetische Seite der Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen (TP Köln), zum anderen die möglicherweise inklusiven Dimensionen einer Form der ästhetischen Praxis, nämlich der sprachlich-musikalischen Kommunikation (TP Lüneburg). Hinsichtlich dieses zweiten Zugangs ist die Bezugnahme auf zeitgenössische Vokalkunst bedeutsam, die sich durch experimentelle Formen, offene Prozesse, modifizierte Qualitätsbegriffe und multimodale Formen (etwa Stimme, Sprache, Musik, Bewegung in einer Kunstform) auszeichnet. Methodisch erfolgt die Datengenerierung in einer fokussierten Ethnografie, die Auswertung unter Bezugnahme auf leibphänomenologische und kulturtheoretische Rahmungen. Zentral sind die gemeinsamen komparatistischen Analysen der beiden Teilprojekte, mit deren Ergebnissen, so hoffen wir, das Verhältnis von Wahrnehmung, künstlerischer Gestaltung und Teilhabe empirisch und theoretisch fundierter diskutiert werden kann als bisher.
StatusAbgeschlossen
Zeitraum01.12.1630.11.19
Art der FinanzierungGefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme "Forschung zur kulturellen Bildung"
Förderkennzeichen oder Vertragsnummer01JK1616A

    Fachgebiete

  • Erziehungswissenschaften - Kulturelle Bildung, Inklusion, disability studies, Interaktionsanalyse, Vorurteilsforschung, Ästhesiologie