Polizei, Politik, Polis - Zum Umgang mit Geflüchteten in der Stadt

Projekt: Forschung

Projektbeteiligte

Das Forschungsprojekt richtet sich auf den Umgang mit geflüchteten Menschen in größeren Städten und geht dabei den Zusammenhängen zwischen drei Aspekten nach: der Rolle der örtlichen Polizei als staatliche Gewalt vor Ort („Polizei“), der Relevanz stadtpolitischer Strategien im Umgang mit Flüchtlingsfragen („Politik“) sowie der Bedeutung stadtgesellschaftlicher Akteure, Netzwerke und Diskurse („Polis“). Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern die Polizei in die lokalen Praktiken eingebunden ist und in ihrem Handeln vom lokalen Umfeld geprägt wird. Damit greift das Forschungsvorhaben Tendenzen einer lokalen Wende der Migrationspolitikforschung auf. Wenn sich zeigen lässt, dass selbst polizeiliches Handeln als strikt gesetzesgebunden, in unmittelbarer staatlicher Verantwortung stehend und das staatliche Gewaltmonopol verkörpernd einer solchen Prägung durch den städtischen Kontext unterliegt, dann ist das ein starkes Argument die lokale Wende der Migrationspolitikforschung weiterzuverfolgen. Konzeptionell geht das Projekt zum ersten davon aus, dass Städte durch ihre historisch herausgebildeten Praktiken, Selbstverständnisse und Diskurse bestimmte Weisen der Handlungsorientierung nahelegen. Sie bieten Räume der Kooperation und der Konfliktartikulation, der Fokussierung und Interpretation von Bedürfnissen und Problemlagen sowie der Konstruktion von Gemeinsamkeiten und Differenzen. Neben der offiziellen Stadtpolitik sind dabei Akteure der Stadtgesellschaft von besonderer Relevanz. Städte sind zudem, zweitens, aufgrund ihrer spezifischen Logik sozialer Integration auf eine Verknüpfung von offenen Grenzen und Praktiken des Umgangs mit Heterogenität angelegt. Darin unterscheiden sie sich von Staaten, stehen aber auf in komplementären Beziehungen zu diesen. Drittens nehmen wir an, dass die Vermittlungslogik, die polizeiliches Handeln im urbanen Raum unterliegt, wesentlich durch ein normatives Spannungsfeld zwischen den Polen „Sicherheit“ und „Menschenwürde“ geprägt wird. Wie Sicherheit in Einklang mit Menschenwürde garantiert werden kann, wird somit im urbanen Raum ausgehandelt. Das Projekt umfasst drei Module, die als „Mapping“, „Embedding“ und „Understanding“ gefasst werden und zu deren Bearbeitung auf qualitativ-interpretative Methoden zurückgegriffen wird. In sechs Städten in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachen sollen zunächst polizeiliche Wahrnehmungen der Herausforderungen und der Handlungsmöglichkeiten sowie die verfolgten Sicherheitsstrategien erschlossen werden. Im zweiten Schritt werden diese polizeilichen Sichtweise und Handlungsorientierungen in die lokalen Kontexte eingebettet, indem danach gefragt wird, inwiefern sie mit institutionalisierten Praktiken, öffentlichen Deutungsmustern und Akteursnetzwerken vor Ort zusammenhängen. Das dritte Modul soll dann ermitteln, inwiefern sich von spezifischen städtisch-polizeilichen Umgangsweisen mit Geflüchteten sprechen lässt und wo deren Bruchstellen, Konflikte und Potentiale liegen können.
StatusLaufend
Zeitraum01.01.2131.12.23
Art der FinanzierungGefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderkennzeichen oder Vertragsnummer441835064