Klima-und Umweltvariabilität im späten Mittelpleistozän im Bereich der paläolithischen Fundstellen von Schöningen

Projekt: Forschung

Projektbeteiligte

Die altsteinzeitlichen Fundstellen im ostniedersächsischen Braunkohletagebau bei Schöningen wurden durch die Entdeckung der bisher ältesten bekannten Holzwaffen in Verbindung mit zahlreichen Großfaunenresten weltweit bekannt. Die Funde bescheinigen dem Homo heidelbergensis bisher unbekannte Fähigkeiten zur organisierten Jagd und zum komplexen, abstrakten Denken. Die Einbettung in die ufernahen Sedimente eines ehemaligen Sees führte zur hervorragenden Erhaltung von Resten einer außerordentlich artenreichen Flora und Fauna. Gleichzeitig ermöglicht die ungewöhnlich vollständige Sequenz mittelpleistozäner Sedimente die hochaufgelöste Klima- und Umweltrekonstruktion eines mittleren Interglazials bis Frühglazials vor ca. 300.000 Jahren. Mit aquatischen Mikrofossilien (Diatomeen, Ostrakoden, Gyrogonite von Characeen) und Pollen, Nicht-Pollen Palynomorphen sowie sedimentologischen und geochemischen Parametern aus fünf Verlandungssequenzen des Reinsdorf Interglazials und nachfolgenden Frühglazials werden in diesem Projekt drei Fragestellungen eng verknüpft: (1) die Klima- und Umweltvariabilität von der Warmzeit bis in die beginnende Kaltzeit soll rekonstruiert und mit anderen terrestrischen und marinen Standorten der Nordhemisphäre korreliert werden, um zum besseren Verständnis der natürlichen Klimaentwicklung eines ausgehenden Interglazials beizutragen, und die bisher kontrovers diskutierte stratigraphische Einordnung der Fundstellen und der interglazialen Sedimente zu klären. (2) Seespiegelrekonstruktionen und die Charakterisierung des Ablagerungsmilieus sollen die Entwicklung des Paläosees und deren Ursachen erfassen, und anhand von Sedimentblöcken soll (3) eine detaillierte 2D-Rekonstruktion der Habitatstruktur der Uferzone des Paläosees zum Zeitpunkt der Ablagerung der Funde in Schicht 13 II-4 durchgeführt werden, um konkrete Aussagen über die Umwelt und Jagdstrategien des Homo heidelbergensis zu treffen und die Einbettungsbedingungen der Artefakte zu untersuchen. Durch die Kombination geobiologischer, geochemischer und archäologischer Ergebnisse werden wir zum besseren Verständnis pleistozäner Klimaentwicklung, der Umwelt der Frühmenschen und deren kognitiver Fähigkeiten sowie zur Klärung der Stratigraphie der mittelpleistozänen Sedimente beitragen.
StatusLaufend
Zeitraum01.04.1731.07.22
Art der FinanzierungGefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft