Intergenerationelle Gerechtigkeit und ökonomische Effizienz in der Nutzung von Ökosystemdienstleistungen unter Unsicherheit

Projekt: Forschung

Projektbeteiligte

Mit dem Kleinforschungsprojekt soll die Erstellung eines innovativen und gut fundierten Antrags auf Forschungsförderung beim BMBF vorbereitet werden. Dazu gehören auch die Exporation der wissenschaftlichen Grundagen während der Antragsphase und der Forschungsvorlauf für das BMBF-Projekt.

Im Folgenden wird das Kleinforschungsprojekt beschrieben.

Problemstellung und Stand der Forschung:
Ökosysteme erbringen eine Vielzahl lebensnotwendiger und ökonomisch wertvoller Dienstleistungen für den Menschen, z.B. die Produktion von Lebensmitteln und Brennstoffen, die Regulierung von Wasserläufen und Klima, oder ästehtische und spirituell Befriedigung (Millennium Ecosystem Assessment 2005). Das allgemeine Leitbild der nachhaltigen Nutzung und Bewahrung dieser Systeme und ihrer Leistungen ist heute in der internationalen wie nationalen Politik weitgehend akzeptiert (z.B. WCED 1987, UN 1992, Bundesregierung 2007). Dieses allgemeine Leitbild umfasst mehrere unabhängige, und möglicherweise widersprüchliche, Zielvorstellungen:(i) ökonomische Effizienz in der Ressourcennutzung, (ii) intragenerationelle Gerechtigkeit beim Zugang zu den Ressourcen und der Verteilung der Ertäge ihrer Nutzung, und (iii) intergenerationelle Gerechtigkeit im Hinblick auf Verbrauch bzw. Bewahrung von Ressourcen für zukünftige Generationen. Eine zusätzliche Herausforderung bei der Operationlisierung ind Implementierung nachhaltiger Nutzung von Ökosystemdienstleistungen ergibt sich aus der Unsicherheit über die zukünfitigen Folgen heutiger Handlungen.
Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in diesem Projekt konkret die Existenz und quantitative Ausprägung des so genannten intertemporalen "Equity-Efficiency-Trade-Offs" in der Nutzung und Bewahrung von Biodiversität, insbesondere mariner Ökosysteme. Damit ist der potenzielle Zielkonflikt zwischen der Erreichung des Ziels intergenerationeller Gerechtigkeit ("Equity") und der Erreichung des ziels volkswirtschaftlicher Effizienz ("Efficiency") gemeint. Wir untersuchen weiterhin, wie diese beiden Ziele mit unterschiedlichen - mengen-, qualitäts- und wertbasierten, ordnungsrechtlichen wue marktwirtschaftlichen- Instrumenten der Nachhaltigkeitspolitik erreicht werden können und inwiefern Existenz und Ausprägung des Equity-Efficiency-Trade-Offs von der Wahl bestimmter Instrumente abhängen. Dabei analysieren wir insbesondere die spezifischen Auswirkungen auf verschiedene Akteurs- und Stakeholdergruppen, z.B. Konsumenten, Fischer, Naturschützer.
Während der Equity-Efficiency-Trade-Off als intratemporales Phänomen gut bekannt und untersucht ist, v.a. im Hinblick auf die ökonomische Gestaltung von Sozialpolitik (z,B. Okun 1975, Stiglitz 1985, Snower 1993, Blank 202, Breyer und Buchholz 2007), gibt es bislang nur sehr wenig Hypothesen und Untersuchungen zur Existenz eins solchen Zielkonflikts in intertemporaler Hinsicht ( Solow 1974, Krautkraemer und Batina 1999). Für die Nachhaltigkeitsforschung und -politik ist aber gerade diese intertemporale Dimension interessant und wichtig. Ergebnisse über intratemporalen Trade-Off könne auch nicht einfach auf die intertemporale Dimension übertragen werden, da diese Besonderheiten aufweist, die in intratemporaler Hinsicht nicht auftreten: zum einen sind Auswirkungen heutiger Handlungen bei zukünftigen Betroffenen unsicher und nicht direkt beobachtbar; zum anderen sind Umverteilungsmaßnahmen nur sehr eingeschränkt möglich und irreversibel.
Unsere Untersuchung liegt im Wesentlichen der - ursprünglich rein intratemporale - Gerechtigkeitsbegriff von John Rawls (1971) zugrunde. Dieser wrude bereits von Rawls selbst in intertemporaler Hinsicht verallgemeinert, was aber in der philosophischen Diskussion um Umweltgerechtigkeit teilweise kritisiert wurde (z.B. Dobson 1998, Sen 1999). Bei der Unsicherheit über die zukünftigen Folgen heutiger Handlungen und dem Umgang mit Unsicherheit, unterscheiden wir konzeptionell zwischen Risiko und Unsicherheit im engeren Sinne (Knight 1921, Faber et al. 1992, Renn 2008). Aufgabenstellung für unseren philosophischen Projektpartner ist die Klärung eines philosophisch fundierten und für ökonomische Anwendungen geeigneten Begriffs von Gerechtigkeit unter Unsicherheit.
Den konkreten Anwendungsbezug unserer Untersuchung bildet der Praxiskontext der Nutzung und Bewahrung von Biodiversität. Wir kombinieren einen top-down-Ansatz, der von allgemeinen Zielbekundungen in der internationalen Politik ausgeht (z.B. UN-Biodivertätskonvention 1992), mit einem bottom-up-Ansatz, der von der Fischerei in Nord- und Ostsee ausgeht. Dabei arbeiten wir mit verschiedenen Praxisakteuren aus internationalen Organisationen, nationaler und europäischer Fischereipolitik, Fischereiwirtschaftsvertretern und Konsumenten, sowie Naturschutzverbänden zusammen. Zu diesen bestehen aus unseren Vorgängerprojekten bzw. bei unseren Projektpartnern bereits gut funktionierende Arbeitsbeziehungen.


Erwartete Ergebnisse:
Unser Forschungsvorhaben wird allgemein Aufschluss darüber geben, unter welchen Annahmen über ökologisch-ökonomische Systemdynamik, bei welcher Ausprägung von Risiko bzw. Unsicherheit und bei welcher Konkretesierung von Effizienz und Gerechtigkeit ein intertemporaler Equity-Efficiency-Trade-Off besteht und wie dieser quantitativ von seinen verschiedenen Determinanten abhängt. Diese allgemeinen Ergebnisse werden wir konkretisieren für Praxisfeld Fischerei/Bioidiversitätsschutz.
Wir werden weiterhin konzeptionelle Vorschläge für die Neuentwicklung bzw. Anpassung von Instrumenten und Institutionen der Nachhhaltigkeitspolitik entwickeln, die den Zielkonflikt zwischen der Erreichung der beiden Ziele der ökonomischen Effizienz und der intergenerationellen Gerechtigkeit minimieren. Wir erwarten, dass dabei Instrumente, die eine staatliche Mengensteuerung mit einer marktfreiheitlichen Wertermitllung kombinieren, wie z.B. ein Marktsystem für eine staatlich begrenzte Anzahl handelbarer Biodiversitätsnutzungszertifikate, sich als besonders vorteilhaft erweisen.

Als ein Output des Kleinforschungsprojektes war ein Antrag auf Förderung eines Verbundforschungsprojektes im BMBF-Förderprogramm "Wirtschaftswisschenschaften für Nachhaltigkeit" vereinbart.
Dieses Ziel habe wir erfolgreich erreicht. Die folgenden beiden Drittmittelanträge sind als Ergebnis der Arbeiten im Kleinforschungsprojekt erarbeitet, eingereicht und mittlerweile bewilligt worden:
EIGEN- Effiziente inter- und intragenerationell gerechte Nutzung von Ökosystemdienstleistungen. Nachhaltigkeitsökonomische Analyse von Zielkonflikten in der Biodiversitäts- und Fischereipolitik
COMTESS - Sustainable coastal land management: trade-offs in ecosystem services
StatusAbgeschlossen
Zeitraum22.07.0931.03.11
Art der FinanzierungKleinforschungsprojekt aus Mitteln der Leuphana Forschungsförderung

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