Digitalisierung der Arbeit: Konfiguration realer und virtueller Migration

Projekt: Forschung

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Mit der Digitalisierung der Arbeit sind tiefgreifende Veränderungen von Arbeitsverhältnissen und Mobilitätspraxen verbunden. Einerseits verändern sich fast alle existierenden Bereiche der Arbeit, und andererseits entstehen neue Typen originär digitaler Arbeit, die sich über das Internet global verteilen lassen. Ein zentrales Element dieser Transformation bilden digitale Plattformen vom Onlineversandhandel über Taxi- oder Essenslieferdienste bis hin zu sogenannten Crowdwork-Plattformen für digitale Arbeit. Gleichwohl die plattformgesteuerte Digitalisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen bereits sozialwissenschaftlich untersucht wird, fehlen grundlegende ethnographische Studien, insbesondere über die Mobilitätspraxen und Migrationsprojekte, die diese Veränderung der Arbeitswelt hervorbringt. <>
Daher wird anhand zweier exemplarischer Felder untersucht, wie sich Arbeitsmobilität und -migration – und damit Arbeit selbst – unter digitalen Bedingungen wandelt. Als Beispiele dienen einerseits die zunehmend global verteilte, digitale Arbeit auf Crowdwork-Plattformen, und andererseits die Arbeit auf der »letzten Meile« des digitalisierten Liefer- und Versandhandels als Beispiel für die digitale Transformation »traditioneller« Berufe. In beiden Feldern verändert die plattformgesteuerte Digitalisierung die Arbeit sowohl im Hinblick auf Flexibilisierung und zunehmende algorithmische Steuerung des Arbeitsprozesses als auch bezüglich der Mobilitätsanforderungen der Arbeitenden. Einerseits werden viele digitale Arbeiter/innen zu »virtuellen Migrant/innen« (Aneesh 2006), ohne ihren Aufenthaltsort dauerhaft zu verändern, weil Crowdwork-Plattformen die globale Verteilung digitaler Arbeit bis zu den heimischen Computern oder Smartphones der Arbeitenden erlauben. Andererseits wird auf der »letzten Meile« (deren ökonomische Bedeutung durch Versandhandel und Plattformen enorm gestiegen ist) eine große Zahl »realer Migrant/innen« beschäftigt, deren flexible Praxen temporärer Migration mit ortsgebundenen Formen und Anforderungen digitalisierter Arbeit korrespondieren. Für beide Felder ist eine bedarfsorientierte, termingerechte und hochflexible Allokation von Arbeitskraft (sogenannte on-demand-Arbeit) kennzeichnend. Im Zusammenspiel von virtueller und realer Migration zeigt sich, wie Digitalisierungsprozesse heterogene Mobilitätspraxen produzieren und konfigurieren, die sich zunehmend ausdifferenzieren, flexibilisieren und temporalisieren. Die daraus entstehenden epistemischen und gesellschaftlichen Fragen für den Begriff der Migration und für die Migrationsforschung werden in Anknüpfung an die ethnographischen Untersuchungen theoretisch herausgearbeitet.
StatusLaufend
Zeitraum01.05.1830.04.21
Art der FinanzierungGefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Beziehungsdiagramm