B 02 - Zeit und Einkommen - Multidimensionale Polarisierung

Projekt: Forschung

Projektbeteiligte

Eine Zunahme der Einkommenspolarisierung erfährt in der öffentlichen Diskussion eine zunehmende Aufmerksamkeit. Eine zunehmende Polarisierung verschärft die sozialen Spannungen mit größer werdenden Gegensätzen zwischen arm und reich und hat weitreichende Folgen auf die gesellschaftliche wie auch auf die wirtschaftliche Entwicklung. Bei einer Polarisierung der Einkommen verschiebt sich die Einkommensstruktur so, dass sowohl die obersten als auch die untersten Einkommensgruppen zunehmen, während die mittlere Gruppe kleiner wird („squeeze of the middle“). Damit stellt die Polarisierung eine spezielle Form der Ungleichheit dar. Allerdings ist eine entgegengesetzte Entwicklung von Polarisierung und Ungleichheit der Einkommensverteilung möglich und bedarf daher einer getrennten Betrachtung Wenn auch die besondere Bedeutung von Polarisierung, von einer sich weitenden Schere zwischen arm und reich, als evident erscheint, so sind doch empirisch fundierte Ergebnisse mit Fokus auf die Polarisierung – im Gegensatz zu empirischen Analysen zur Ungleichheit – eher selten zu finden.

Ziel dieses Projektes ist eine multidimensionale Polarisierungsanalyse von Zeit und Einkommen mit
dem Schwerpunkt auf die Selbständigen und abhängig Beschäftigten. Warum diese Gruppen? Selbständige und abhängig Beschäftigte sind die zentralen Akteure auf dem Arbeitsmarkt wobei die Selbständigen prinzipiell zeitsouveräner als abhängig Beschäftigte sind und weitere spezifischen Unterschiede in der multidimensionalen Polarisierung von Zeit und Einkommen vermutet werden können.

Mit dem neuen Konzept der multidimensionalen Polarisierungsintensität (2DGAP) werden – bei gleichzeitiger Interdependenz der Polarisierungsdimensionen – der Beitrag der einzelnen Dimensionen für diese Berufsgruppen herausgearbeitet und diskutiert. Damit folgen wir erstens der Forderung und Erfordernis, mehr als nur die materielle Einkommensdimension in der Polarisierungsanalyse zu berücksichtigen. Zweitens beziehen wir mit der Zeit, definiert als genuine persönliche Freizeit, die in der Armutsdiskussion betonte soziale Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe im Sinne von Amartya Sen (1999, 1995) als wichtigen Aspekt soziokulturellen Mindeststandards ein. Drittens erweitern wir die Analyse und beziehen auch Reichtum in unsere multidimensionale Polarisierung von Einkommen und Zeit ein.
Zeitraum01.10.13 → …